Was Windschatten tatsächlich bringt
Ab etwa 25 km/h ist der Luftwiderstand der größte Widerstand, den du überwindest, und ab 35 km/h stammen rund 90 Prozent deiner Leistung daraus. Wer direkt hinter jemandem fährt, spart je nach Abstand und Gruppengröße 20 bis 40 Prozent.
Das ist der Grund, warum eine Zwölfergruppe mit 33 km/h dahinrollt, während der Einzelne dafür kämpfen müsste. Und es ist der Grund, warum sich Gruppenfahren lernen lohnt: Es macht aus einer harten Ausfahrt eine angenehme.
- Ein Meter Abstand bringt fast den vollen Effekt.
- Drei Meter bringen noch gut die Hälfte.
- Ab sechs bis acht Metern bist du praktisch allein im Wind.
Näher als etwa einen halben Meter aufzufahren, bringt kaum noch etwas und kostet jede Reaktionszeit. Es gibt keinen Grund, Rad an Rad zu kleben.
Die sechs Grundregeln
- Gleichmäßig fahren. Keine Tempowechsel, kein plötzliches Bremsen, keine ruckartigen Lenkbewegungen. In der Gruppe ist Vorhersehbarkeit wichtiger als jede Fahrtechnik.
- Nicht auf das Vorderrad des Vordermanns starren. Schau durch die Gruppe hindurch nach vorn, drei bis vier Fahrer weit. Dann siehst du, was passiert, bevor es dich erreicht.
- Räder nicht überlappen. Dein Vorderrad darf nicht seitlich neben dem Hinterrad des Vordermanns liegen. Zieht er dann zur Seite, nimmt er dir das Vorderrad weg – und du stürzt, nicht er.
- Bremsen mit dem Hintern, nicht mit der Hand. Zum Tempoangleichen reicht es meist, sich aufzurichten und den Luftwiderstand zu erhöhen oder kurz aufzuhören zu treten. Die Bremse ist die letzte Stufe.
- Nicht aus dem Sattel gehen, ohne es anzukündigen – und wenn, dann mit Druck auf dem Pedal. Wer sich einfach aufstellt, schiebt sein Rad einen halben Meter nach hinten, direkt ins Vorderrad des Hintermanns.
- Zeichen geben und weitergeben. Was du siehst, sehen die hinter dir nicht.
Die Handzeichen
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Arm ausgestreckt zur Seite | Richtungswechsel – wie im Straßenverkehr |
| Hand nach unten, zeigt auf den Boden | Loch, Gully, Ast, Glasscherben auf dieser Seite |
| Flache Hand nach unten, auf und ab | Tempo raus, ruhig fahren |
| Arm hinter den Rücken, Hand zeigt zur Seite | Hindernis – hier ausweichen |
| Hand offen nach hinten, Handfläche zeigt zurück | wir bremsen / Halt |
| Ellbogen antippen oder Kopfnicken zur Seite | ich löse ab, komm vorbei |
Dazu ein paar Zurufe, die überall verstanden werden: „Loch!", „Auto von hinten!", „Auto von vorn!", „Bremsen!", „Frei!" an einer Kreuzung. Rufen ist kein schlechter Stil, sondern der Sinn der Sache.
Wichtig: Zeichen und Zurufe werden weitergegeben. Wer hinter dir fährt, sieht das Schlagloch nicht, weil du davor bist.
Führungswechsel: die zwei Formen
Der einfache Wechsel (Zweierreihe)
Die häufigste Form auf einer RTF oder Trainingsausfahrt. Zwei Reihen nebeneinander, die beiden vorn führen eine Weile – eine Minute, fünf Minuten, je nach Absprache. Dann:
- Der linke Führende schert nach links aus, der rechte nach rechts.
- Beide lassen sich neben der Gruppe zurückfallen, ohne zu bremsen – einfach aufhören zu treten.
- Am Ende der Gruppe reihen sie sich wieder ein.
- Wichtig: Die Gruppe hält das Tempo. Wer nach der Führung Vollgas gibt, um sich einzureihen, reißt die Gruppe auseinander.
Die Rotation (belgischer Kreisel)
Bei starkem Wind oder in schnellen Gruppen. Eine Reihe fährt langsam vor, eine langsam zurück, die Führung dauert nur wenige Sekunden. Die Seite, auf der zurückgefahren wird, richtet sich nach der Windrichtung: Man fällt auf der windzugewandten Seite zurück, damit die vorrückende Reihe im Schutz liegt.
Der Kreisel ist nichts für die erste Ausfahrt. Wenn eine Gruppe anfängt zu rotieren und du dir unsicher bist, hänge dich hinten an und fahr mit – das ist völlig in Ordnung und deutlich besser, als mittendrin einen Fehler zu machen.
Recht und Rücksicht
In Deutschland dürfen Radfahrende nebeneinander fahren, wenn sie dadurch den Verkehr nicht behindern; ab 16 Personen gilt die Gruppe als geschlossener Verband und darf grundsätzlich zu zweit nebeneinander fahren. Was rechtlich erlaubt ist, ist aber nicht immer klug – auf einer engen Landstraße mit Verkehr hinter sich ist das Einreihen die Geste, die den Ruf der ganzen Sportart trägt.
Praktisch heißt das: Bei „Auto von hinten!" macht die linke Reihe rechts auf. An Kreuzungen fährt jeder nach eigener Prüfung – „Frei!" von vorn ersetzt nicht den eigenen Blick, und wer sich darauf verlässt, wenn es schiefgeht, steht rechtlich allein da.
Wenn du das üben willst, ist eine RTF der beste Ort: viele Gruppen, moderates Tempo, gesicherte Strecke. Die Termine stehen unter Radrennen und RTF. Und bevor du fährst, lohnt sich ein Blick auf Reifendruck und Kette – eine Panne in der Gruppe hält zwanzig Leute auf.
Häufige Fragen
Wie viel Kraft spart Windschatten?
Je nach Abstand und Gruppengröße 20 bis 40 Prozent. Ein Meter Abstand bringt nahezu den vollen Effekt, drei Meter noch gut die Hälfte. Ab sechs bis acht Metern bist du praktisch allein im Wind.
Wie viel Abstand halte ich beim Gruppenfahren?
Etwa einen Meter zum Vorderrad reicht für fast den vollen Windschatteneffekt und lässt dir Reaktionszeit. Näher aufzufahren bringt kaum noch etwas. Entscheidend ist, die Räder nie seitlich zu überlappen.
Wie funktioniert ein Führungswechsel?
In der Zweierreihe schert der linke Führende nach links aus, der rechte nach rechts. Beide lassen sich neben der Gruppe zurückfallen, indem sie aufhören zu treten – nicht bremsen – und reihen sich hinten wieder ein. Die Gruppe hält dabei das Tempo.
Welche Handzeichen muss ich kennen?
Arm zur Seite für Richtungswechsel, Hand nach unten für Loch oder Hindernis auf dieser Seite, flache Hand auf und ab für Tempo raus, offene Hand nach hinten für Bremsen. Alle Zeichen werden nach hinten weitergegeben.
Was mache ich, wenn ich am Ende meiner Kräfte bin?
Sag es und bleib hinten. „Ich bin durch" ist in jeder vernünftigen Gruppe völlig in Ordnung. Eine Führung, die mitten im Wind zusammenbricht, kostet die ganze Gruppe den Rhythmus.